Interview met Elfriede Jelinek
Amsterdam-Wenen, 14 okt. Onder de oorspronkelijke titel Die Kontrakte des Kaufmanns beleefde het laatste toneelstuk van de Oostenrijkse Nobelprijswinnares Elfriede Jelinek de wereldpremière bij Schauspiel Köln op 9 april van dit jaar. Nicoles Stemann regisseerde. Jelinek noemt haar stuk Eine Wirtschaftskomödie.
Es gibt einige andere Theaterstücke über das Kapital, Geld, die Banke, daß sind ‘Der Kaufmann von Venedig’ von Shakespeare, Fassbinders ‘Der Müll, die Stadt und der Tod’ und ‘Von Morgens bis Mitternachts’ von Georg Kaiser. Wo haben Sie Ihre Inspiration gefunden für ‘Die Kontrakte des Kaufmanns’?
“Besitz, Geld und Gier und die Hybris der Mächtigen sind immer ein Thema der Dramatik gewesen. Bei mir erfolgt sozusagen eine Allegorisierung, indem das Geld selbst spricht. Es gibt ja nichts, was mehr mit Hoffnungen, Wünschen und dann, wenn diese felhschlagen, mit Verzweiflung aufgeladen wäre wie das Geld. Eigentlich hat mich die Antike (die Größe von: Schuld – wie der unbewußten Schuld des Ödipus oder die Schuld, welche Vertreter des Rechts auf sich laden können, zum Beispiel in der Antigone – und die Erbärmlichkeit von: Schulden, derentwegen man sich umbringt) inspiriert, und ich habe auch Montagen aus antiken Dramen immer wieder verwendet, um dieses Mißverhältnis zwischen der Größe menschlichen Leids und menschlichem Größenwahn, der zu diesem Leid führt, zu zeigen.”
Und nicht nur die Inspiration, auch Ihre Insight-Information und Ihre Kenntnis sind beeindruckend. Wie haben Sie sich orientiert?
“Nein, ich besitze eigentlich viel zuwenig ökonomische Kenntnisse. Ich wollte, ich wüßte mehr darüber. Ich beziehe mich nur auf allgemein zugängliche Information durch Zeitungen und Zeitschriften. Aber ich glaube, ich habe ein ganz gutes Gespür für Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit und Betrug.”
Von Regisseur Nicolas Stemann hab’ ich verstanden, daß Sie sich auch mit der Regie mit eingesetzt habe. Können Sie daß erklären?
“Es ist eher umgekehrt. Ich erlaube der Regie jede Freiheit und betrachte den Regisseur, die Regisseurin als Co-Autoren. Das Stück ist in diesem Fall also von mir und Johan Simons (das muß er leider aushalten!).”
Wenn Sie ein Theaterstück schreiben, haben Sie eine visuelle Idee von der Aufführung?
“Ja, ich sehe sehr genaue Bilder. Aber da ich ja weiß, welche Bilder ich beim Schreiben gesehen habe, interessiert es mich sehr viel mehr, fremde Bilder, also das, was sich der Regisseur dazu gedacht hat, zu sehen. Am faszinierendsten ist es für mich, wenn ich meinen eigenen Text durch die Arbeit des Regisseurs sozusagen mit anderen Augen sehen und etwas Neues über ihn erfahren kann.”
Die Form der ‘Kontrakte…’ war damals in Köln, bei der Uraufführung, Provokation, Satire und auch war es ein hochwertige emotional-Drama. Stemann sagte das es Webcams gab, verbunden mit Ihrem Computer. Haben Sie die Form folgen können?
“Ich mag es sehr, wenn neue Medien (webcam) in die Aufführung eingeführt werden. Die Aufmerksamkeit der Computer- und smart-phone-Generation ist ohnehin schon eine fraktale, zerstreute. Dem muß man auf der Bühne Rechnung tragen, finde ich. Aber ich bin für jede Form offen und an ihr interessiert.”
Haben Sie einigermaßen Bemühung gehabt mit der Aufführung Johan Simons für NTGent? Hat Simons oder ein Dramaturg inhältlich Kontakt mit Ihnen gehabt?
“Nein, das war nicht nötig, weil ich den Regisseuren wie gesagt völlige Freiheit lasse. Es gibt sicher ein paar hundert Stücke, die man aus diesem einen Stück machen könnte. Und jedes wäre ganz anders. Das ist das Faszinierende am Theater. Daß jeder alles aus allem machen kann. Und die Schauspieler tragen ihr Fleisch zum Markt (aus dem hoffentlich niemand ein Stück herausschneiden wird).”
Wie wichtig sind die Regie-Anweisungen; muß der Regisseur gehorsam sein?
“Nein, wie schon gesagt, ich schreibe zwar öfter hin, was ich mir vorstelle, aber ich erwarte nie, daß das dann auch so gemacht wird. Im Gegenteil, ich freue mich schon, wenn etwas ganz anderes daraus wird.”
Ihr Werk ist sehr politisch und engagiert, spezial in Wien und Österreich. Glauben Sie daßTheater und Literatur etwas in der Welt ändern können?
“Nein, das glaube ich schon lange nicht mehr. Wir haben das 1968 vielleicht noch glauben können. Aber die Geschichte hat uns widerlegt. Ich glaube nicht, daß Literatur politisch wirken kann. Sie kann uns bestenfalls die Dinge etwas anders sehen lassen, in neuem Licht. Und bewirken, daß das Lachen (bei mir sehr wichtig) einem in der Kehle steckenbleibt, wenn einem klar wird, worüber man da lacht.”
Sie haben, im Programmheft von Schauspiel Köln, gesagt das Theater sehr schnell reflektieren muß auf geselschaftlichen Entwicklungen. Das bedeutet auch daß Sie an Ihr ‘Kontrakte…’ täglich neue Texte zugefügt habe. Ist der Kölner Aufführung verschieden wie die neue Texte für NTGent?
“Ich kenne die Aufführung in Gent ja nicht. Aber bei Stemann zum Beispiel sind keine zwei Aufführungen gleich. Es ist vielleicht eine Zwischenform zwischen Happening, Aktion und Theateraufführung. Ich liefere ja immer so viel Text, daß man sich aussuchen kann, was man davon nehmen will und was nicht. Und auch ob man die zwei neuen Zusatztexte verwendet oder nicht, das bleibt dem Regisseur überlassen. Jeder setzt seine eigenen Schwerpunkte, und das müssen nicht unbedingt die sein, die ich dafür vorgesehen habe. Es könnte sogar etwas vollkommen anderes entstehen als das, was ich geschrieben habe.
Macht spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Werk. Sehen Sie die heutige Kreditkrisis wie eine Streit zwischen der Machthaber und die Machtlose?
“Ja, Macht, ihre ungleiche, ungerechte (grotesk ungerechte) Verteilung wird immer mein Hauptthema sein. Inzwischen sind die Mächtigen, wie die Götter im Olymp, den Machtlosen entrückt. Sie haben Ihre eigenen Rating-Agenturen, die aber auch nur verbreiten, was die Mächtigen wollen. Und die kleinen Anleger werde wie die Tiere im Nasenring vorgeführt. Sie werden daran gehindert, Gerechtigkeit zu bekommen, egal ob sie ihre Ersparnisse oder ihrer Firmenpensionen verloren haben, ihre Häuser oder ihre Wohnungen. Sie sehen immer nur gerade soviel von der Macht, wie ihnen gezeigt wird, und sie wird ihnen gezeigt, und sie klein und ohnmächtig zu halten.”
Sind Sie neugierig nach Auffürhungen Ihre Schauspielstücke?
“Ja, sehr. Aber ich kann sie mir nur auf DVD anschauen, weil ich aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht imstande bin zu reisen. Leider.”
Und stimmt es daß Sie ‘Die Kontrakte…’ wie ein visionäres Stuck vor die Kreditkrise geschrieben habe?
“Ja, ich würde mir nicht anmaßen, visionär gewesen zu sein. Ich habe über einen österreichischen Kleinanlegerbetrugs- und Bankenskandal geschrieben (der übrigens wahrscheinlich nie strafrechtlich verfolgt werden wird, das heißt, man versucht es, aber ich glaube nicht, daß das Erfolg habe wird) und nicht geahnt, daß das nur die Vorläufer von etwas viel Größerem sein würde. Die US-Immobilienkrise und die gigantischen Abfindungen, die den daran Schuldigen hinterhergeworfen wurden, habe ich nur als Schatten an der Wand herausziehen gesehen, bestenfalls. Dieses Ausmaß hätte ich mir nicht vorstellen können.”
